Amigurumi Leitfaden

Mikro-Häkeln für Anfänger & mein erstes Mikro-Amigurumi

Mikro-Häkeln erfreut sich steigender Bekanntheit in der Häkel-Gemeinschaft. Diese klitzekleinen Häkeltierchen sind oft nur eine Fingerspitze groß und werden üblicherweise mit Nähgarn und einer Häkelnadel von 0,4 oder 0,6 mm gemacht. Die Anstrengungen sowas zustande zu bringen, sind erheblich, und das findet sich auch im Preis wieder: ein Mikro-Amigurumi kann locker mal 90€ am Markt kosten (lt. aktuellen Preisen auf etsy.com). Sowas dann zu verlieren, kann wehtun… Als jemand, der sich gerne an neuen Sachen probiert und meint, (fast) alles mal im Leben zumindest einmal zu versuchen, habe ich mich an diesen Trend herangewagt und meine eigene Mikro-Eule (Schnee-Eule) gehäkelt. Vorab kann ich sagen, es war zu meistern, auch wenn man sich nicht als fortgeschrittenen Häkler betrachtet.

Beginnen wir aber mit den Voraussetzungen für ein angenehmeres Mikro-Häkelerlebnis:

Garnart

Nähgarn
Nähgarn

Im Mikro-Häkeln arbeitet man für gewöhnlich mit Nähgarn. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Nähgarn wie Baumwolle und synthetisches Nähgarn (am häufigsten aus Polyester). Man könnte auch mit Stickgarn mikro-häkeln, aber empfehlen würde ich das nicht, da Stickgarn stark glänzt und sehr fein ist (es ist nicht sonderlich reissfest und fasert leicht aus, wenn man daran viel herum reibt), wodurch die Mikro-Häkelei umso schwieriger wird. Für den Beginn empfehle ich mit Nähgarn aus 100% Baumwolle zu arbeiten; das ist im Vergleich zu Polyester-Garn etwas dicker und damit leichter zu handhaben, wobei man aber auch hier darauf achten muss, nicht viel an der Arbeit herumzureiben, weil es im Vergleich zu Polyester leicht ausfasern kann.

Ähnlich zu Garnkategorien, besitzt Nähgarn eine eigene Metrik. Die allgemeine Regel ist: je geringer die Nummerierung auf dem Etikett, umso dicker das Nähgarn (ähnlich bei Filetgarn). Z.B. ist eine Garnstärke 40 dicker als eine Stärke 100. Aber Vorsicht: die Stärke-Anzeige auf dem Etikett hängt vom Garntyp ab. So ist z.B. ein Baumwoll-Nähgarn mit Stärke 40 nicht gleichzusetzen mit einem Poly-Zwirn der Stärke 40.

Häkelnadel

Für das Häkeln mit Nähgarn benötigst du eine Nadelstärke von unter 1,0 mm. Das ist üblicherweise 0,4 mm (die kleinste Nadelstärke), 0,6 mm und 0,75 mm. Mit einer unter 1,0 mm Häkelnadel arbeiten, braucht sicherlich etwas Übung, aber wirklich unlustig ist die Feinarbeit mit dem Nähgarn selbst. Wenn du bislang eher nur mit stärkerem Garn gearbeitet hast, empfehle ich dir, dich mit Filetgarn etwas einzuüben. Eine gute Vorbereitung ist da eine Garnstärke 20 und Nadelgröße 0,75 mm.

Arbeitsumfeld

Licht, Licht, Licht… ernsthaft jetzt, für Mikro-Häkeln brauchst du ordentlich viel Licht um die mini-Stiche zu sehen (am angenehmsten empfinde ich da kaltweiß / tageslichtweiß). Eine Lupe ist jetzt nicht nötig, aber definitiv regelmässige Pausen mit Körper- und Augen-Stretching, weil du sonst recht schnell die Lust (und Gesundheit) daran verlieren kannst.

Unbedingt wichtig: wasche dir zu Beginn ordentlich deine Hände und halte sie trocken und sauber während dem Häkelprozess. So ein Mikro-Ding anschließend sauber zu bekommen, ist kein Spaß.

Muster

Arbeite zu Beginn lieber mit einem Muster, das du entweder schon kennst oder das im Hinblick auf Farbwechsel und Zunahme-/ Abmaschen-Stichen relativ simpel ist. Gerade beim Auftrennen passiert es schon mal schnell, dass du die Mikro-Maschen aus den Augen verlierst und schlimmstenfalls versehentlich über den Marker hinweg auftrennst.

In manchen Anleitungen wird zwischen den Runden eine Kettmasche gehäkelt (v.a. zwischen der 1.Runde nach dem Fadenring und der 2.Runde) um die Reihenansicht gerade zu halten. Beim Mikro-Häkeln wird mit Kettmaschen hingegen sehr sparsam gearbeitet und eher nur noch im Rahmen des Abschließens und Vernähens.

Das Mikro-Häkeln

Mit Nähgarn häkeln verlangsamt dich ungemein. Meine Mikro-Eule hat locker 3-mal länger gebraucht als mit normalen Garn und da zähle ich noch nicht mal  die Versuche die erste Runde zu meistern. Mal zu locker, mal zu fest, etliche Male den Faden mit der Häkelnadel nicht erwischt… aller Anfang ist schwer. Langsam an die Sache herangehen und sich mit beiden Fingern helfen, damit der Faden nicht zu lose ist (Faden mehrmals um den Zeigefinger der linken Hand wickeln; bei Rechtshändern) und der zu holende Faden mithilfe des Fingers der führenden Hand (rechte Hand) dann auch einfacher durch die Schlaufe „begleitet“ wird.

Ist deine Arbeit erstmal fertig, mache zusätzlich einen Abschlussknoten vor dem Vernähen, sonst kann sich die Arbeit leicht wieder auftrennen.


Meine kleine Schmerz-Eule:

Die Anleitung, die ich für meine Mikro-Eule herangezogen habe, stammt von Kristi Tullus‘ blog und sie ist sehr simple (keine Farbwechsel innerhalb der Körperteile), mit nur wenigen Zunahmen und Abmaschen. Laut dem Blogger erreicht die fertige Eule unter einem Baumwoll-Leine-Garnmix zu DK-Gewicht (Garnkategorie 3 bzw. light) eine Höhe von 6 cm (vermutlich weniger als 1 Stunde Arbeitszeit). Mit Baumwoll-Nähgarn und einer Häkelnadelstärke von 0,6 mm wurde diese Eule weniger als 1,5 cm hoch. Bei einer Nadelstärke von 0,4 mm würde die Eule sogar noch eine Spur kleiner werden. Ich hatte ca. 2,5 Stunden reine Häkelzeit für die komplette Eule. Was die Farben betrifft, habe ich es einseitig gehalten: weißer Körper, graue Flügel, schwarze Augen… heraus kam eine, irgendwie traurig wirkende, süße mini-Schnee-Eule.

Ich habe jedes Teil mit einem Fadenring begonnen. Manche Häkler bevorzugen den alternativen Fadenring beginnend mit 2 Luftmaschen, jedoch fand ich diese Methode beim Mikro-Häkeln nicht brauchbar. Lass dich auf jeden Fall nicht entmutigen, wenn du mehrere Anläufe für den Start brauchst bis es einigermaßen feste Maschen werden!

Insgesamt habe ich leicht lose gehäkelt um die Maschen noch gut sehen zu können. Arbeitet man in Runden vom Fadenring weg, korrigieren sich die Stiche noch relativ über die Folgestiche und das Muster schaut dann trotzallem fest aus. Beginnt man jedoch mit Luftmaschen und arbeitet man anschließend auf diesen, sollte man fester und dichter stechen, da das Muster sonst schnell löchrig wird.

Mein Mikro-Häkeln in Bildern:

Als kompletter Mikro-Anfänger hielt sich mein Spaß noch relativ in Grenzen. Man arbeitet vergleichsweise sehr langsam und sticht sich auch regelmässig in den Finger, wenn man die irrwitzig-dünne Nadel durch eine Schlaufe bringen will; vorallem wenn man dicht gestochen hat. Das Endergebnis kann sich jedoch sehen lassen und es ist definitiv ein WOW-Geschenk für jeden Handarbeits-Enthusiasten! Darüber hinaus lässt sich so einiges damit machen (z.B. Armbänder, Häkel-Broschen, 3D-Patches für Kleidung).

Noch niemals mikro-gehäkelt? Auf was wartest du, probier es aus!

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2 Kommentare

  1. oh my! This looks extremely intense! (And why haven’t I heard of this before?!)
    The results are adorable though, I love your owl!
    I might give it a shot, but I’m impatient enough as it is, so I can’t imagine I’ll get all the way through, lol.

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    1. I came across this on Pinterest and I initially thought, this can’t be real 😀 I am very impatient too, that’s why I chose the owl as an easy pattern. And as soon as I saw a progress I didn’t want to stop. Really, give it a shot, and tell (show) me how it went!

      Gefällt mir

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