Leitfaden

Garnarten und Textilfasern – Eine Starthilfe

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Zu Beginn eines Häkelprojekts stellt sich die Frage, welchen Garntyp man verwenden soll um das beste Ergebnis zu erzielen. Vor allem wenn man seinen Garn online kauft, so wie ich es bevorzuge, ist es vorab wichtig, informiert zu sein, welche Eigenschaften bestimmte Garne besitzen. Wenn es um die gewünschten Eigenschaften der Fasern selbst geht, weiß man oft schon, was genau man sucht: leicht und weich für Kissen-ähnliche Häkelarbeiten; dick und flauschig für gemütliche Häkeldecken; robust und bauschig für Häkeltaschen; oder weich und dünn für Amigurumis… jedoch, welche Garnfasern und Mix-Sorten erfüllen noch am ehesten die gewünschten Kriterien?

Hier findest du einen kurzen Leitfaden zu den häufigsten Faser-Sorten und Garnarten fürs Häkeln mit paar Tipps, auf was man bei den jeweiligen Sorten beachten sollte.



Bevor du dich für einen Garn entscheidest, achte auf folgende Kriterien:

  1. wie dick soll deine Häkelarbeit werden (beschrieben mit Garngewicht bzw. -kategorie): je höher die Garnkategorie (von Gewicht 1 (US: lace) bis 6 (US: super bulky)), desto dicker bzw. größer wird deine Häkelarbeit bei einer gleichweise geringeren Anzahl an Stichen. Für dickere Häkelarbeiten wie z.B. Häkeldecken benötigst du daher eine höhere Garnkategorie als für z.B. kleine Amigurumis. Aber Achtung: Garnkategorien beziehen sich allgemein auf Strickgarn. Davon zu unterscheiden ist Häkelgarn (Filet-Garn), welche mit Stärke angegeben wird. Für die Garnstärke von Häkelgarn gilt allgemein: je höher die Stärke, umso dünner das Garn, d.h. umso geringer die empfohlene Nadelstärke (z.B. Stärke 10 < Stärke 5). Eine höhere Garnkategorie sagt jedoch noch nichts über die Beschaffenheit der Fasern selbst aus, z.B. wie flauschig oder kratzig das Material wird.

  2. wie weich soll deine Häkelarbeit werden (Faserart): die weichste Faserart ist aus 100% Baumwolle oder ein Mix mit einem hohen Anteil an Merino, Mohair, Alpaka (wobei letztere zwei etwas kratzig und weniger robust, dafür sehr warm sind), oder Polyamid (ist eine rein chemisch produzierte Kunstfaser und ermöglicht einen sehr robusten und dünnen Fasermix). Wesentlich teurer aber sehr weich ist ein Fasermix mit Seide oder Kaschmir. Wolle (Schurwolle) ist sehr kratzig, dafür sehr reissfest zum Häkeln (ist z.B. für Häkeltaschen super). Wenn du nach einem feinen Garn für kleine Amigurumis suchst, bist du mit 100% Baumwolle bestens bedient. [Für Anfänger:] Am leichtesten arbeitet es sich mit 100% Baumwolle mit einer Nadelstärke von 2,5-3,5 mm; willst du besonders dichte Stiche, benutzt du dann eine Häkelnadel mit einer geringeren Stärke. Für besonders kleine, feine und dünne Häkelarbeiten, kann man auch Filetgarn verwenden (ist nicht nur für Filet-Arbeiten geeignet!), mit einer Nadelstärke von unter 1,5 mm. Wie weich die Faser ist, hängt auch sehr von der Verarbeitung ab: die weichste Baumwollfaser ist gekämmt (zur Faserglättung), gasiert (macht den Faden feinfaseriger) und merzerisiert (zur Festigung).

  3. wie eben soll die Arbeit werden: unebene Faserarten haben oft den Zusatz Bouclé, Tweed oder Fancy und beschreiben lockige, ringel-artige, gewellte oder haarige Garnsorten. Bei manchen unebenen Faserarten ist Übung gefragt, zumal sie oft nicht reissfest sind, aber das Endergebnis fällt mit seiner besonderen Struktur auf und auch die Haare von Häkelpuppen oder Amigurumis werden damit besonders schön.


Die Tabelle unten fasst wesentliche metrische Merkmale von Häkelgarn zusammen (von yarnstandards.com), mit zusätzlichen Informationen zu Häkelprojekten und europäischen Garn-Marken.

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* die angeführten Nadelstärken sind nur Empfehlungen. Je nachdem wie dicht oder lose die Häkelarbeit werden soll, kann eine andere Nadelstärke verwendet werden


Faserarten

Die Faserarten beschreiben die wichtigsten Eigenschaften an deinem Garn: wie weich und robust wird das Material. Garnfaserarten können in 3 Kategorien zusammengefasst werden: Naturfaser, Pflanzenfaser und Kunstfaser.

Naturfaser (bevorzugt für Kleidung und Deko)

  • Wolle (allgemein): ist neben Baumwolle die am häufigsten verwendete Faserart; es ist billig, leicht zu verarbeiten, beständig und resistent gegenüber Feuchtigkeit, ist jedoch auch sehr kratzig (Schurwolle). Wolle aus besonders feiner Qualität besteht aus Angora (seidig-weich, sehr warm und elastisch), Kaschmir (aufwendig zu pflegen, eher gering widerstandsfähig und schlecht luftdurchlässig, aber sehr flauschig und warm) und Ziegenhaar (Mohair; leicht kratzig und aufgrund der feinen Textur eher schwer zum häkeln, dafür ultra leicht, sehr warm und elastisch). Wolle fusselt leider mit der Zeit und ist für Allergiker eher ungeeignet.
  • Merino Wolle: eine sehr flauschige und super weiche Alternative zur Schurwolle und im Vergleich zu Kaschmir fast schon günstig. Zusätzlich ist diese Woll-Variante allergikerfreundlich.
  • Alpaca: fein, weich, oft glänzend und lockig, und eine reissfeste Alternative zur Schafswolle. Alpaka ist besonders geeignet für feine Pullover, Jacken, Decken und Kuscheltiere. Für gewöhnlich wird Alpaca als Fasermix mit Schurwolle, Baumwolle und/oder Seide angeboten, da es in purer Form sehr teuer ist und sich etwas kratzig anfühlt (übrigens: einmal mit Weichspüler waschen, hilft gut dagegen, außer der Schurwolle-Anteil ist sehr hoch).
  • Kaschmir: ist teuer, nicht sonderlich widerstandsfähig und, naja, eine Pflege-Diva (verfilzt leicht beim reiben, geht bei  über 30 Grad Wäsche ein, man schwitzt leicht darin…). Vorteile? Sie gilt als sowas wie selbstreinigend (frische Luft genügt oft um Schweißgeruch zu lösen), ist sehr flauschig und hält super warm. Besonders gerne wird Kaschmir in Pullovern, edlen Schals und Handschuhen verwendet.
  • Seide: edel und weich zum Tragen, jedoch mit statischem Effekt. Seide wird üblicherweise nur in der Bekleidung verwendet (am häufigsten in edlen Schals oder als Zusatz in Winterkleidung weil es luftundurchlässig ist). Oft wird Seide mit Baumwolle oder Mohair gemischt; beim letzteren ist der Fasermix dann schön haarig.

Pflanzenfaser (bevorzugt bei Amigurumis)

  • Baumwolle: diese Faserart ist super weich, nicht-kratzig, unelastisch und am besten geeignet für Amigurumis, Baby- oder Sommer-Sachen. Es ist zudem leicht zu pflegen und perfekt für Allergiker geeignet. Die Qualität der Baumwolle wird von der Länge der Fasern bestimmt (‚Stapel‘ genannt); je länger und gleichmäßiger ein Stapel, umso hochwertiger die Baumwolle. Besonders wertvolle Baumwolle kommt aus Ägypten, Peru oder Sea Island (US).
  • Leine: diese Faserart ist sehr resistent (reissfest), kann aber auch sehr weich sein, solange sie nicht mit Schurwolle gemischt ist. Mit Leinen können am besten Bekleidung oder weiche Bezüge gearbeitet werden.

Kunstfaser

  • Polyacryl: ist sehr günstig und wird als Alternative zu Wolle von minderer Qualität herangezogen. Sie ist damit besonders für Anfänger geeignet, die Garn für wenig Geld zum Üben benötigen.
  • Polyamid (Nylon): diese ebenfalls günstige Kunstfaser kann sehr unterschiedlich verarbeitet werden und resultiert damit in verschiedenen Garnarten, von leicht und glatt, zu dünn und glänzend, bis hin zu bouclé oder krausig…


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2 Kommentare

  1. Wau ich bin total begeistert
    von deinen Puppen.Kann ich bei dir auch feines Garn und Häkel Anleitungen für Puppen
    Kleider kaufen.
    Danke und liebe Grüsse
    Eva

    Gefällt mir

    1. Hi Eva, ich freu mich, dass dir meine Arbeiten gefallen! Garn verkaufe ich nicht, zumindest noch nicht. Die Anleitungen zu meinen Häkelpuppen und ihrem Gewand findest du aber als gratis pdf-Download im jeweiligen Blog-Beitrag. Gerne helfe ich dir auch das passende Garn zu finden, wenn du mir einen online shop deiner Wahl nennst, damit ich mich an den dir verfügbaren Garnmarken orientieren kann

      Gefällt mir

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